Wir sind eine Welt…

… und warum sage ich das gerade jetzt?

Durch das Internet, und auch durch meine Religion und Spiritualität bin ich doch deutlich vernetzt, weit über die Grenzen meines Wohnorts, dieses Landes und dieses Kontinentes hinaus.

Und über verschiedene Blogs, die ich lese, bekam ich schon vor einigen Tagen mal wieder etwas mit, was ich in den üblichen Nachrichten vermisse.

Im US-Bundesstaat West Virginia wurde am 9. Januar 2014 das Wasser wohl recht weitläufig im Gebiet des Elk River durch Chemikalien (4-methylcyclohexane methanol, MCHM) verschmutzt und vergiftet (Quellen, alle englischsprachig, z.B. Al-Jazeera America, auf The Wild Hunt). Diese Chemikalie wird wohl zur Behandlung von Kohle verwendet, bevor diese in Kraftwerken verbrannt werden kann. Laut dem Bericht auf Al-Jazeera, aber auch in der Charleston Daily Mail mussten viele Menschen notfallmäßig behandelt werden, weil sie Leitungswasser verwendeten, auch nachdem es wieder als „sicher” freigegeben wurde. Dies führt zur wohl berechtigten Angst, dass das Wasser noch auf einige Zeit unbenutzbar ist, und zwar auch nach der offiziellen Entwarnung, die auf einem eventuell unrealistischen Grenzwert für die Substanz basiert.

Manche Probleme, die dadurch entstehen, werden uns dann vielleicht doch eher bewusst, wenn solche Vorfälle dann doch mal publik werden: Die Wasserversorgung durch das öffentliche Leitungsnetz kann nicht mehr verwendet werden. Zumindest nicht zum Trinken, eventuell gar nicht mehr. Das heißt, es muss Trinkwasser herantransportiert und gekauft bzw. ausgegeben werden. Dies muss irgendwie auch finanziert werden.

Was mir bisher jedoch nicht in der Tragweite bewusst war: Dies führt auch zu wirtschaftlichen Einbußen, gerade auch bei sowieso schon (einkommens-)armen Menschen in einer armen, ländlich geprägten Gegend. Auf ihrem Blog schreibt T. Thorn Coyle in ihrem Artikel „Poisoned Waters: We Can Help” folgendes:

No clean water means that restaurants, cafes and other places many working class people rely on for income are closed, or, as some locals have told me, though some restaurants have re-opened, things like coffee are being made with affected water. Restaurant workers in the US, as we know, rely on tips to survive. A week without work, plus these ongoing conditions, is making life very difficult.

Auf Deutsch: Ohne sauberes Wasser sind Restaurants, Cafés und andere Einrichtungen, auf die viele Menschen der Arbeiterschicht für ihr Einkommen angewiesen sind, geschlossen. Oder, wie einige Ortsansässige mir gesagt haben, haben manche Restaurants zwar wieder geöffnet, bereiten ihren Kaffee und ähnliches aber mit dem weiterhin betroffenen Wasser zu. Allerdings benötigen die Arbeitskräfte in Restaurants in den USA, wie wir wissen, ihre Trinkgelder zum Überlegen. Eine Woche ganz ohne Arbeit und diese Umstände auch weiterhin führen zu sehr schwierigen Lebensumständen.

Auch daher sammelt der Solar Cross Temple, für den T. Thorn Coyle arbeitet, weiterhin Spenden für die durch diese Wasservergiftung betroffenen Menschen. Die Spenden werden gesammelt an eine lokale Gemeinde der Unitarian Universalist Church in Charleston (der Hauptstadt von West Virginia) weitergeleitet. Innerhalb der USA sind diese Spenden steuerabzugsberechtigt, außerhalb (sprich auch in Europa/Deutschland) wohl nicht.

Zu wirtschaftlichen und Klassenhintergründen noch ein Artikel hier (Teil 1) und hier (Teil 2). Und hier. Ein Artikel in der Huffington Post.

Und am Schluss nochmal eine spirituellere Sicht, die dabei den Boden nicht verliert, sondern auch an die handfesten Hintergründe denkt, vor denen (Umwelt-)Ausbeutung wie diese möglich ist.

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Petition von Terre des Femmes

Ich halte normalerweise nicht so sonderlich viel von Petitionen (fast egal ob Offline oder Online). Letztens habe ich eine Ausnahme gemacht für eine Online-Petition von Terre des Femmes. Diese sammeln Unterschriften dafür, dass die Gesetzeslücke im deutschen Strafgesetzbuch geschlossen wird, dass bei Vergewaltigung (und eigentlich auch bei „sexueller Nötigung”) ein (erkennbares) „Nein” nicht ausreicht.

Derzeit ist es so, dass selbst wenn eben ein solches „Nein” im Raum steht, dieses sogar vor Gericht nachweislich erkennbar war, dennoch ein Freispruch erfolgen kann. So fiel dann vor nicht allzulanger Zeit ein Urteil tatsächlich aus. Die Tat war an sich erwiesen. Jedoch war sie keine sexuelle Nötigung bzw. Vergewaltigung im Sinne des deutschen Strafrechts, weil nach dem derzeitigen Stand des § 177 StGB sich nur der strafbar macht, wer „Gewalt” (gemeint: physische Gewalt, Überwindung eines physischen Widerstandes) oder eine „Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben” einsetzt oder „eine[r] Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist„ ausnutzt.

In einigen anderen Ländern ist es wohl bereits so, dass auch das Missachten eines erkennbaren „Nein”, eines Widerspruchs, „ausreicht”, damit eine sexuelle Gewalt strafbar ist, und genau diese Lücke will Terre des Femmes geschlossen sehen.

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Vom Glauben abgefallen…

Hallo!

Ich habe gerade eine recht einfühlsame kurze Dokumentation auf BBC online gesehen, http://www.bbc.co.uk/news/uk-25148281 (englischsprachig, Video ca. 8 min.).

Darin geht es um drei Menschen, die in islamischen Familien geboren wurden und auf jeweils eigene Weise von diesem Glauben, wie man so sagen würde, „abgefallen” sind. Und es wird erzählt, wie das bei den Dreien dazu geführt hat, dass der Kontakt zur Herkunftsfamilie von Seiten der letzteren ganz abgebrochen wurde (bei zweien) oder behindert wird durch die Angst vor deren Reaktion (bei einer). Und der Film beschreibt die Sehnsucht aller drei nach einem ganz normalen Kontakt, als Menschen. Auch gezeigt werden zwei muslimische Gelehrte (ein Imam und ein islamischer Rechtsgelehrter), die voneinander sehr verschiedene Sichten haben, wie aus islamischer Sicht damit umgegangen werden soll, wenn Menschen den islamischen Glauben „verlieren”.

Mich macht das traurig. Warum betonen viele die äußerliche Religions- und Konfessionszugehörigkeit so viel mehr als das, was ein Mensch im Innen ist? Das Trennende – hier zwischen Islam und westlich-säkular oder christlich – viel mehr als das Verbindende?

Warum wird das Menschen von Imamen, Predigern, Priestern, Pfarrern (vielleicht auch: Pfarrer_innen) immer noch eingetrichtert? Von Eltern an Kinder weitergegeben? Wo ist Raum für andere Botschaften? Für andere gelebte Praxis?

Klar gibt es das auch: Ein echtes Zugehen und Respektieren von Menschen mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Nur, gerade jetzt habe ich eine traurige und tragische und schlimme Seite von monotheistischer Religion gesehen.

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One Billion Rising, kritische Linksammlung

Im Wildwasser-Forum wird gerade über „One Billion Rising” diskutiert, weil auch für 2014 wieder eben diese Aktion geplant wird.

Da – zumindest wenn ich die Forumsregeln streng lese – Links seit der Wiedereröffnung dort komplett verboten sind (auch wenn ich auch seither immer wieder Links sehe, auch im zitierten Eröffnungsposting des Threads), veröffentliche ich eben hier eine Linkliste mit Postings, die sich kritisch mit „One Billion Rising” bzw. der Kampagne „V-day” auseinandersetzen, die damit eng zusammenhängt und von Eve Ensler begründet wurde. Eve Ensler hat auch die „Vagina Monologe” kreiert. Manche der Beiträge, die ich hier verlinke, setzen sich auch hiermit auseinander.

Also los, zuerst deutschsprachig:

Auf mädchenblog schrieb Magda am Samstag vor dem „V-day” 2013 eine Samstagabendreflexion und beanstandet in dem Kampagnenvideo rassistische Ungleichgewichte und verweist auf weitere Kritik hierzu von GLADT (Selbstorganisation türkischstämmiger LSBTT; die Kritik auch als Webseite). GLADT kritisiert neben den rassistischen Stereotypen auch, dass die Erfahrungen von lesbischen, bisexuellen, queeren Frauen* und Trans*personen und auch von Menschen mit Behinderungen komplett ausgelassen werden – dies habe ich auch persönlich vor Ort so erlebt. Gewalt schien etwas zu sein, was nur Hetero-cis-frauen angetan wird, nicht aber Trans*- oder Inter*-Menschen oder gar (*gasp*) Männern.

Shehadistan beklagt Barrieren, die durch eine für eine Demonstration, für eine breite Teilnehmer*innenschaft doch eher komplizierte Choreographie aufgebaut werden, und stellt auch die Frage: Wollen sich überhaupt von sexualisierter Gewalt Betroffene (in großer Zahl) in einen öffentlichen Raum begeben, wo sie gerade wieder begafft werden können? Ist dies dem eigentlichen Thema der Aktion angemessen? Sprich: Ausschlüsse, Elitarismus, Angemessenheit?

Auch serialmel wollte Gewalterfahrung und Sexismus nicht durch Tanz verharmlosen, hatte den Eindruck, das Patriarchat nicht durch Tanz brechen zu können. Und nicht gegen Gewalt lächeln zu können.

takeover.beta werfen einen anderen Blick auf die Aktionsform des Tanzens. Den Tanz nur zur Freude und Befreiung zu nutzen (so wohl schon die Absicht von Eve Ensler) sei gerade ein Aufhänger einer Kritik wie der von Shehadistan. Doch es ist dann gerade kulturspezifisch (deutsch bzw. weiß), den Tanz als Aktionsform abzuwerten als „seicht und spaßig”. Aus der Sicht nicht-deutscher Kulturen, aus der Sicht von POC (people of color; Menschen, die nicht als „weiß” gelesen werden), kann Tanz eben durchaus anders wirken und verwendet werden; als Form der Auseinandersetzung mit kulturellen Eigenheiten (wie Geschlechterverhältnissen), aber auch als Form des Protestes.

meinkoerperist_ fühlte sich in einer Zwickmühle. Einerseits konnte und wollte sie sich nicht mit der Bewegung identifizieren wegen deren (neo-)kolonialen Bilden, der rassistischen Stereotype und der Gleichsetzung von Frau-Sein mit Vagina-Haben (sprich Cis-Sexismus). Andererseits fand sie es wichtig, dass eine große, auch in den Medien wahrgenommene Aktion stattfindet, und das Timing fand sie glücklich durch die enge Verknüpfung mit dem #aufschrei. Dennoch hätte sie sich das ganze inklusiver für queer/trans* gewünscht, als sicheren Raum auch für von Rassismus Betroffene. Und eben nicht als Konsumevent.

Rambling Rose merkt auf „ewig unzufrieden” viele Punkte an: Cissexismus (alle Frauen und nur die haben eine Vagina, siehe auch das Logo), implizite Diskriminierung innerhalb von allen Frauen*, die dem weißen, heteronormativen und geschlechterbinären Bild nicht entsprechen, Anlehnung an den konsumistischen und heteronormativen Valentinstag (statt z.B. Einbindung an den 25. November, Tag gegen Gewalt gegen Frauen), strenge Regeln für lokal teilnehmende Gruppen (z.B. Verpflichtung, jedes Jahr wieder mitzumachen, genaue Regelung der Verwendung von eventuellen Einnahmen). Einerseits globaler Anspruch, andererseits weiße (USA-)Brille und Heteronormativität.

DaniSojasahne hofft darauf (vermutlich vergebens, wenn ich das Video mit Eve Ensler auf onebillionrising.de sehe, wo z.B. das selbe Logo weiterverwendet wird), dass wenigstens auf die Kritik hinterher reagiert wird, wenn schon auf die vorher nicht reagiert wurde. Sie findet es wichtig, dass Aktionen gegen Gewalt gegen Frauen stattfinden. Und toll, dass einige Debatten und Bewegungen im Mainstream wahrgenommen werden, den Weg dorthin finden (z.B. Sl*twalks, #aufschrei, OBR). Sie verlangt dennoch mehr Inklusion, weniger Barrieren und Diskriminierung. Zitiert wieder die Kritik von GLADT, vor Ort sah sie, dass die Choreographie in einem Fitness-Studio für Frauen geübt wurde, ein Risiko, Körpernormen zu bestärken. Tanz fände sie in Ordnung als ein Element von vielen, nur lieber selbstbestimmter statt mit aufgeladenen Zwängen (z.B. eben der Choreographie als zentralem Teil der ganzen Aktion). Vereinnahmungs-/Vereinheitlichungsprozesse sieht und kritisiert sie (Frauen, die angeblich alle die selben Erfahrungen machen, tanzen den selben Tanz). Stellt die Frage danach, wer „wir Frauen” eigentlich sind, was die Erfahrungen sind, und was in der Aktion sichtbar gemacht wurde und was nicht: Gewalt wurde nach weit weg verschoben, Rassismus und Homophobie wurden dort, wo sie teilnahm, erst nach einer Stunde angesprochen. Die Betroffenheit hier, vor Ort, eher gar nicht sichtbar gemacht: Weiße Hetero-Normen, Doppelmoral gegen Sexworkerinnen*, Ausbeutung von „illegalen” Frauen*, Situation von Trans*menschen, heterosexistische Adoptionsregelungen, Zwangszweigeschlechtlichkeit, usw.

Die Faserpiratin fragt auch, ob OBR nichts für Feminist_innen war. Kritisiert genauso wie andere das Kampagnenvideo, war dennoch auf der Aktion in Köln. Fand dann die Redebeiträge sehr schwach: es wurde nur eine Form von Unterdrückung (Sexismus) sichtbar gemacht, und die nur anderswo; Mehrfachdiskriminierungen waren auch unsichtbar. Den häufigen Dank an anwesende Männer* fand sie, genauso wie DaniSojasahne übrigens, störend, aus der Überlegung heraus, dass dies selbstverständlich sein sollte.

Johannah Lea vermisst genauso die Zusammenhänge der unterschiedlichen Diskriminierungsebenen (Intersektionalität) und beklagt den Ausschluss von nicht „genormten” Frauen. Sie hat sich dennoch entschieden, hinzugehen, aber mit Plakaten, die eben dies ergänzten.

So, das war jetzt einiges in deutscher Sprache, nun auf Englisch:

Natalie Gyte schreibt in der Huffington Post, warum sie One Billion Rising nicht unterstützt. OBR drückt ihrer Auffassung nach nicht die eigentliche Ursache der Ungleichbehandlung von Frauen aus: ein patriarchales System, das eine Maskulinität hervorbringt und Kontrolle über Frauenkörper ausübt und diese unterwirft. Außerdem zitiert sie Kritik von Frauen aus anderen Ländern wie dem Kongo oder dem Iran.

Spectra antwortet auf diese Kritik: Es besteht keine Hierarchie des Aktivismus; sie hat es satt, wenn weiße Frauen (wie Natalie Gyte) die Worte von Frauen of Color verwenden, um in deren eigenen Gemeinschaften zu Polarisierungen aufzustacheln (z.B. diese weißen Frauen sind gute Verbündete, jene schlechte); und als afrikanisch-amerikanische Frau verwahrt sich Spectra gegen die Unterstellung, Tanz sei als Aktionsform schwächer oder eine falsche Aktionsform. Sie findet Kritik zwar gut, wünscht sich aber, dass diese nicht polarisiert oder spaltet, sondern eher auf die Kritisierten zugeht und diese in Anspruch nimmt, sich damit auseinanderzusetzen.

„The Knoll” kritisiert die „Vagina Monologe” und wie damit umgegangen wird. Diese dürfen nicht an die Gegebenheiten des lokalen Publikums (oder der Kultur etc.) angepasst werden. Sie sind sehr geschlechts-essentialistisch durch ihre Gleichsetzung von Frau und Vagina. Dies schließt Frauen* aus, die sich nicht über eine Vagina identifizieren können oder wollen.

Auch Caitlin Petrakis Childs zitiert feministische Kritik an den Vagina Monologen und den damit zusammenhängenden V-Days (V auch für „Vagina”) – hier aus ihrer Perspektive als Queer und intersexuellen Aktivistin und Sprecherin. Speziell die Vagina als Ort heranzuziehen um weibliche Sexualität auch öffentlich, politisch, zurückzuholen (reclaim) erscheint als heteronormativ (was ja auch zu dem Timing des V-day auf den Valentinstag passt). Die Vagina zur Definition und Vereinigung von Frauen heranzuziehen, stößt natürlich bei Feminist_innen, die auch an trans*- und inter*-Politik denken, auf Bedenken. Post-Koloniale und anti-rassistische Feminst_innen tragen Bedenken damit, dass „Vagina” als ein Konzept mit einer gleichen Bedeutung für Frauen auf der ganzen Welt geschaffen wird. Ihre persönliche Kritik verbindet Caitlin Childs mit ihrer eigenen Erfahrung mit „Vagina” (ohne die sie geboren wurde) als einem Ort der medizinischen Traumatisierung, der Körpernormierung. Denn das Problem erlebte sie nicht darin, wie sie geboren wurde, sondern dass ihr gesagt wurde, der Körper sei so, wie er ist, falsch und müsse repariert werden; dadurch also, dass Ärzt_innen diese natürliche Varianz des Körpers zu einem medizinischen Problem erklärt haben und es so behandelt haben, als sei es ein wirklicher medizinischer Notfall. Durch die so verursachte Traumatisierung und Beschämung konnte sie nicht ausdrücken, was für sie an einer Stelle der Vagina Monologe komplett falsch war (dort ging es auch um eine Frau, die als Kind ohne Vagina geboren wurde, wo dies dann von einem Arzt als „mach Dir keine Sorgen, das können wir gut beheben, es wird alles gut”, also als Makel, als unakzeptabel, als zu beheben dargestellt wird). Diese Stelle wurde später aus den Vagina Monologen gestrichen, aber erst nachdem Intersex-Aktivist_innen bei Organisator_innen des V-Day Druck machten und sie über die Genitalverstümmelungen bei intersexuell geborenen Kindern und den Intersex-Aktivismus aufklärten. Allerdings wurde dieser Abschnitt einfach ersatzlos gestrichen. Seither sind intersexuell geborene Menschen in den Vagina Monologen schlicht unsichtbar. Sprich: Zuerst wurde die Genitalverstümmelung an Mädchen in Afrika als ernst und tragisch dargestellt, die Genitalveränderung an intersexuellen Kindern aber in der besagten Szene eher spielerisch (und als positive Reparatur) dargestellt; das eine als Verstümmelung, das andere als „Märchen”; alle Monologe aus eigener Sicht außer dieser Szene. Ist Unsichtbarkeit so viel besser?

Das war’s davon. Fazit: Ich selbst bin sehr unentschlossen, was das ganze in 2014 angeht.

EDIT: Weitere Links. Der Freitag diskutiert die Wahl des Symbols der stilisierten Vagina für One Billion Rising. Der Artikel beschreibt zuerst, wie One Billion Rising 2013 aus einer Idee von Eve Ensler entstanden ist, zum 15. Geburtstag ihrer Organisation V-Day, sich inzwischen jedoch verselbstständigt hat. Auch das Logo ist aus diesem Zusammenhang mit V-Day entstanden – einem Zusammenhang, den die inzwischen vielen Menschen nicht kennen und nicht kennen müssen, die spezifisch zu One Billion Rising (dazu) gekommen sind. Dann benennt der Artikel die Kritikpunkte an dem Logo; z.B. Frauen, die keine Vagina haben, Nicht-Frauen (z.B. Trans*männer), die (evtl.: noch) eine Vagina haben (oder hatten), Frauen, die sich nicht über den Körper bzw. diesen Teil des Körpers identifizieren (lassen) wollen. Und alle ggf. auch Gewalt, auch sexistische Gewalt erlebt haben können. Der Artikel spricht dann für eine kritische Auseinandersetzung mit der Wahl des Logos, am Ende kommt er jedoch zu dem Schluss, es sei vielleicht doch passend, auf eine andere Weise: In einer patriarchalen Gesellschaft ist genau das von außen die aufgezwungene Zuschreibung: Frau = Vagina, und genau diese sind die, die abgewertet werden und denen sexistische Gewalt angetan wird.

Hier stimme ich jedoch mit dem Artikel nicht überein. Die Gender-Zuschreibung geschieht in den seltensten Situationen dann, wenn andere wahrnehmen, ob eine*r eine Vagina hat. Wenn der*die Aggressor*in dann evtl. sieht, dass die getroffene Annahme nicht stimmt, stachelt das in der Tendenz eher zu mehr denn weniger Gewalt an. Siehe Transgender Day of Remembrance.

Und noch Beyond Eve Ensler: What Should Organizing Against Gender Violence Look Like? (englischsprachig). Mit Links zu kritischen Analysen der Veröffentlichungen von Eve Ensler und One Billion Rising. Der Artikel selbst befasst sich damit, wie eine Bewegung für Gerechtigkeit und zur Beendigung von sexistischer Gewalt wirklich aussehen sollte. Wie so eine Bewegung sich kritisch mit der Kategorie „Frau”, auch intersektionell bzw. antirassistisch/antikolonial, und mit der Rolle von Staat und Kapitalismus in der Unterdrückung auseinandersetzen muss. Dass sie selbst zum Ziel haben muss, Gemeinschaften aufzubauen, in denen Gewalt undenkbar ist, statt hauptsächlich den Staat um Maßnahmen zu bitten. Dass sie das Gefängnissystem als zentrale Säule von Gewaltstrukturen sehen muss und daher keine Lösung zur Beendigung von Gewalt darin sehen kann, die Vergewaltigung anzuzeigen. Sie müsste die Rolle von Imperialismus in Bezug auf weltweite sexistische Gewalt hinterfragen. Die Beendigung von rassistischer Gewalt wird als eng verknüpft mit der Beendigung von sexistischer Gewalt gesehen. Krieg ist auch eng mit sexistischer Gewalt verknüpft, und daher kann die Beendigung sexistischer Gewalt weder die Rechtfertigung für Krieg sein, noch dafür einseitig eine Volksgruppe als fortschrittlich und eine andere als rückschrittlich zu bezeichnen, wenn die Wirklichkeit anders ist. Eine Zusammenarbeit mit einer Bewegung gegen Menschenhandel, die Sexarbeit kriminalisiert und Sexarbeiter*innen dadurch noch mehr dem Risiko von Gewalt aussetzt, kann nicht stattfinden. Auch die Gewalt an Staatsgrenzen, sowohl durch sexuelle Gewalt, als auch durch die Ausgrenzung von Menschen als sogenannte „Illegale” sollte sichtbar und zum Ziel gemacht werden, genauso wie Umwelt-Rassismus, wp die territoriale und körperliche Integrität von rassistisch unterdrückten und kolonisierten Gemeinschaften durch Giftmüll und Ressourcenausbeutung verletzt werden. Eine solche Bewegung muss außerdem die Geschichte und das Ausmaß an Organisation, das bereits stattgefunden hat, ernstnehmen; also darf sie nicht behaupten, denen eine Stimme zu geben, die sie bereits selbst erhoben haben. Sie muss die Komplexität der erlebten sexistischen Gewalt weltweit sichtbar machen/halten und respektieren statt die Lebensgeschichten von Menschen zu instrumentalisieren, um ein einziges Narrativ über sexistische Gewalt zu transportieren. Und sie sollte sich nicht auf die Prominenz einzelner konzentrieren, sondern auf die tatsächliche Basisarbeit, die alle tun müssen, um sexistische Gewalt (in allen ihren Intersektionen) zu beenden.

Und schon im Kommentar: Auf Mädchenmannschaft schreibt Charlott Fünf Gründe, warum Eve Ensler nicht als Leiterin einer weltweiten feministischen Kampagne akzeptiert werden sollte. Kurz: Vagina (Cissexismus, Biologismus…); Rolle des Staates; Kolonialismus; Unsichtbarmachen von (anderem) Aktivismus; Paternalismus.

Noch ein Posting, englischsprachig: There is No „We“: V-Day, Indigenous Women and the Myth of Shared Gender Oppression, by Lauren Chief Elk. Unbewusste (?) Appropriation eines Tages, der zur Erinnerung an vermisste und ermordete Frauen begangen wird, dieses Jahr bereits zum 23. Mal. Und wie das Herangehen von V-Day und OBR an das Thema geschlechtsspezifischer Gewalt in Wirklichkeit schädlich ist, gerade für Frauen* of Color. Und dass es zum einen nicht hilft, sich an das System (und den Staat) zu wenden, um Hilfe gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu bekommen – denn das System selbst übt viel zu oft Gewalt aus – und zum anderen kein einheitliches „wir” gibt. Gerade Frauen* of Color sind oft ein Kollateralschaden, wenn ein solches „wir” suggeriert wird. (Übrigens genauso Trans*frauen bzw. Trans*- und Inter*-Menschen generell! Been there.)

Englischsprachig: why (my) vagina* has an asterisk Passt eher indirekt hierzu wegen des Logos.

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Spätfolgen von Kindesmisshandlung

Hallo!

Ich habe heute endlich da mal reingeschaut.

Und zwar gibt es eine Reihe von Videos mit Präsentationen und einem Interview namens The Bomb in the Brain (englischsprachig). Da geht es um die nachweislich auch im Gehirn organisch manifestierten Spätfolgen von allen Formen von Kindesmisshandlung und Vernachlässigung. Und das wirkt sich dann auch auf verschiedene Weisen auf die Gesundheit aus. Etwas wird dann auch auf Möglichkeiten der Abhilfe, z.B. auf die Wirksamkeit von Psychotherapie eingegangen.

Die ersten drei Teile sind inzwischen auch in deutscher Übersetzung verfügbar. Links darauf gibt es z.B. bei netzwerkB.

Das ganze basiert zu einem guten Teil auf einer Studie namens The Adverse Childhood Experiences Study (englischsprachige Seite). Es wird aber teils auch auf andere Studien bezug genommen.

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Tägliche (spirituelle) Praxis

Ich lese gerade den Artikel „Day One” (englischsprachig) auf dem Blog Banshee Arts.

Dort geht es um die tägliche spirituelle Praxis, gerade auch um die Stille-Meditation. Und um die Schwierigkeit, diese beizubehalten, dabeizubleiben.

Die Autorin des Artikels ist spirituelle Lehrerin, und dennoch hat sie die selben Probleme wie andere, wie auch ich selbst manchmal. Und das zu lesen beruhigt mich.

Denn wie oft gibt’s diese Ratschläge? Und wie oft finde ich an sich, dass da auch wirklich etwas dran ist?

Täglich meditieren…

Täglich (oder gar mehrmals täglich) dieses oder jenes Ritual etc. durchführen…

Regelmäßig (z.B. täglich oder an drei Tagen in der Woche oder so) einen Sport betreiben…

Täglich (oder mehrmals täglich) Imaginationen und/oder Skills üben…

Ich betreibe derzeit nur einen bis zwei dieser Punkte.

Und dabei hilft mir etwas, was auch im erwähnten Artikel anklingt: Wenn ich aus irgendeinem, egal welchem, Grund „aus der Reihe falle”, dann ist es nicht dran, mich irgendwie dafür schlechtzumachen, mich selbst auszuschimpfen oder zu bestrafen (und wenn es „nur” innerlich, emotional ist).

Stattdessen versuche ich – und es gelingt mir immer besser – mich anzunehmen, wie ich bin, auch mit der Unvollkommenheit, das, was ich mir vorgenommen habe, mal wieder nicht ganz täglich getan zu haben. Statt mich also auf die Vergangenheit zu konzentrieren (heute tagsüber/gestern/… habe ich es nicht gemacht), konzentriere ich mich auf die Gegenwart: Und jetzt tu ich’s wieder. Jetzt setze ich mich gerade wieder hin, als neuen Anfang der Reihe der täglichen Meditation. Und so weiter.

Im eingangs zitierten Artikel wird das so beschrieben, dass das genauso wie in der Meditation ist: Wenn ich merke, dass ich abschweife, diese Abschweifung schlicht loslassen und zum Atem (oder anderen Fokus der Meditation) zurückkehren.

Mich immer wieder an das Zitat erinnern, was von Victor Anderson (einem spirituellen Lehrer und Mitbegründer der Feri-Tradition) überliefert wird: „Schwäche weder bestrafen noch verhätscheln.” (z.B. auf Englisch „neither coddle nor punish weakness”). Für mich heißt „nicht verhätscheln” nicht, die Realität meiner Schwäche zu verleugnen. Es heißt, weiterzugehen, und von dem Punkt aus wieder Stärken, Ressourcen zu suchen. Hier also, wieder an dem anzuknüpfen, was ich schon mal getan habe. Die Praxis wieder aufzunehmen, zu der ich mich entschieden habe. Mich neu dazu zu entscheiden.

Oder: Mich umzuentscheiden, falls das gerade „dran” ist. Oft ja nicht radikal, sondern eher in Teilen, inkrementell.

Und dann mich auch noch an manches erinnern, was ich bei Thorn (einer anderen Lehrerin) gelesen habe. Zum einen: „Täglich heißt 5mal in der Woche.” Das nehme ich nicht so auf, dass ich gezielt zwei Tage in der Woche auslasse. Aber ich nehme es als noch eine zusätzliche Erlaubnis: Es bedeutet nicht automatisch, dass ich nicht täglich praktiziere, wenn ich an einem kleinen Teil der Tage (eben bis zu 2 von 7, als Größenordnung) nicht praktiziere.

Zum anderen: Die „Reibung” zwischen dem „Ja” zu einer Praxis (die bewusste Entscheidung, die ich treffe) und dem „Nein” (die Widerstände, die ich habe, die Bequemlichkeit, die vielen anderen Dinge, die mich ablenken, oder einfach auch interessieren, das Internet🙂 ) erzeugt eine Hitze, die sogar zu der Veränderung/Verwandlung beiträgt, die ich an sich anstrebe (frei nach „Evolutionary Witchcraft”, S. 31).

Fazit:

Niemand ist perfekt.

Was auch immer Du Dir als persönliche Praxis aussuchst – falls und wenn Du das tust – bleib dabei.

Sei gnädig mit Dir, wenn Du merkst, dass Du einen Tag, eine Woche, einen Monat … davon abgekommen bist. Auch dann kannst Du Dich wieder entscheiden, dabei zu bleiben bzw. zurückzukehren.

Und es gibt viele Möglichkeiten der täglichen oder regelmäßigen Praxis. Wenn Dir Spiritualität nicht „reinläuft”, dann ist das voll okay. Vielleicht ist es etwas ganz anderes, was für Dich gut ist. Sport? Kampfkunst? Regelmäßiger Spaziergang? Etwas kreatives, Musik machen, Malen, usw.? Skills? Imaginationsübungen? Oder einfach abends drei Dinge notieren, was heute gut war? Etwas, was viel Zeit beansprucht, oder etwas ganz kurzes? Usw.

Was auch immer es ist, ich wünsche Dir viel Kraft dazu, dabeizubleiben. Und die Gnade Dir selbst gegenüber, wenn Du mal nicht dabeibleibst.

Und wenn Du magst, dann schreib doch hier, was Du dazu denkst, was Du für Erfahrungen mit dem Ganzen hast.

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Halbzeit um…

Jetzt ist schon mehr als die Hälfte der Zeit um, die das Wildwasser-Forum voraussichtlich weg sein wird.

Für mich ist die Zeit doch recht schnell rumgegangen. Am Anfang waren mal auch drei Tage dabei, da war ich ohnehin „außer Gefecht”…

Und dann hat mir geholfen, dass ich nicht ganz alleine bin. Ich habe mich mehr auf Freundinnen gestützt. Ich habe zum Teil geschafft, meine spirituelle Praxis etwas auszubauen, was mir auch gut tat.

Wie habt Ihr die Zeit bisher verbracht und überbrückt?

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